sloterdijk
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Der zweite Band der Sphärentrilogie entfaltet unter dem Titel Globen die Makrosphärologie, das „große Innen“ in seiner metaphysischen Fassung durch die Hochkulturen und sozialen Großwelten.

Wurde im ersten Band mit Hinsicht auf die Intimsphären als Orte, die die Menschen –sie gegenseitig einwohnend - schaffen, gefolgert: „Alle Geschichte ist die Geschichte von Beseelungsverhältnissen“ , wird diese „allzu kompakte“ These nun weiterentwickelt: „In Wahrheit ist alle Geschichte die Geschichte von Sphärenerweiterungskämpfen. ... Was man traditionell das Seelische genannt hat, ist die Dimension, in der die Spannung zwischen dem Intimen und dem Nicht-Intimen erfahren wird: Man könnte die Tendenz des metaphysischen Psychismus mit der parafreudianischen Formel wiedergeben: Wo Paarseele war, soll Weltseele werden. ... Das Vermögen zu solchen Dehnungen ist der Kern dessen, was man traditionell als „Glauben“ bezeichnet hat.“

Der zweite Band umfasst eine sphärologisch orientierte Geschichte des Aufstiegs und Zerfalls der des All-Einheitsgedankens, dem „zweittausendjährigen Reich der Monosphäre oder des integralen Globus.“

Eine vollständig erzählte Geschichte der Globalisierung beginnt bei Sloterdijk also schon vor zweieinhalbtausend Jahren als uranische und kosmische, wenn griechische Philosophen und Geometer ihr Interesse am Ganzen in einer perfekt abgerundeten Form und seiner geometrischen Konstruierbarkeit entzünden – die „terrestrische Globalisierung hingegen wird Kartographensache und Seemannsabenteuer werden, später auch Sorge der Klimatologen, der Wirtschaftspolitiker, der Ökologen und anderer Experten fürs Unebene und Verworrene“. Wir interessieren uns im Besonderen für das achte Kapitel, welches die katastrophale Metamorphose dieser unranischen und kosmischen Sphären zur bloßen Erdkugel vom 16. bis zum 20. Jahrhundert behandelt (8. Kapitel: Die letzte Kugel; Zu einer philosophischen Geschichte der terrestrischen Globalisierung).
Parallel zu einer Grundthese von Marshall McLuhan, nach der wir im Zeitalter des globalen Dorfes Zeugen und Subjekte einer mediengestützen Anthropologisierung der Planetenrinde geworden sind, geht es bei Sloterdijk um die Frage, inwiefern sich dadurch das „Wo“ des Menschen im Zuge der europäischen Kulturentwicklungen seit dem 16. Jahrhundert transformiert hat. Diese Transformation der „Topologie der Gattung“ verschafft sich in der Manifestation des PsP ihren eigenen Ausdruck, wo eine Sprache auf einer Erde den Verlust der alten Raumordnungen (über mir der gestirnte Himmel, darüber der Sphärenschöpfer, unter mir das Zentrum der Schöpfung und in deren Mitte die Hölle) kompensieren soll, bzw. im Enthusiasmus der geplant Sprechenden kurzzeitig schon kompensiert wurde (vgl. die VolaPük – Hymne).Ein weiterer Bezugspunkt zwischen dem PsP und der Sphärologie besteht im Fall von Sloterdijks religionsphilosophischen Definition des „Glaubens“: Im zuverlässig verschränkten Verhältnis einer Mikrosphäre mit einer Makrosphäre, also der Übertragung eines intimsphärischen Zwischen auf ein globales sieht Sloterdijk das Grundprinzip der metaphysischen Überspannung, bzw. Sphärenerweiterung. In ihnen trainiert die Seele jeweils bis an die Grenze des Aushaltbaren ihr Eins- und Innen-Sein-Können mit dem, was ihr zu groß, zu anders, zu abstrakt zu sein scheint, um sich per Übertragung ihm anzuvertrauen. Diese glaubensgenerierte Erweitern der eigenen Innen-Aussen – Diskrepanz (also der Seele, bzw. einem modernisierten Beschreibungs- äquivalent wie Sloterdijks Sphärenbegriff, s.o.) bis zur Einfühlung in die Sphärenumspannungsaussmaße des Gottes, der die „ganze Welt in der Hand“ zu halten vorgibt, soll hier noch kurz hervorgehoben werden: wie schon angedeutet geht unserer Ansicht nach geht vom Esperanto-Code auf seine Benutzer die Dehnungskraft einer ähnlichen metaphysischen Überspannung aus, wenn die Erfassung durch dieselbe auch ihre Anhänger (und Einhänger) über andere, um Potenzen modernere und explizitere Medien erreicht als vormals die erfolgreiche Prägung einer nächsten Generation von Christen, bzw. ihren verfeindeten Halbgeschwistern desselben monotheistischen Dispositivs in Judentum und Islam.

 

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