aus:
Die Sonne und der Tod
Das
Sphären-Projekt (allgemein)
Nicht weil wir Idealisten wären, sondern weil wir
Realisten werden wollen, suchen wir nach Formen von Denken und
Verhalten, die uns in der aktuellen Globalwelt zur Verkehrsfähigkeit
verhelfen. ...
Es gibt hierfür eine antike Analogie: Ganz ähnlich hat Platon mit der
Gründung der Akademie rechtzeitig den Bedarf an einem neuen Menschentypus
erkannt, der in der Großwelt der sich ankündigenden hellenistischen
Kultur verkehrsfähig werden sollte. Sein Idealismus war ein pädagogischer
Realismus. Gut eine Generation nach der Gründung der Akademie war durch
den Aufstieg des mazedonischen Reiches die Konjunktur voll entwickelt. Der Ernstfall
für die megalopsychische Persönlichkeitsstruktur war eingetreten. Natürlich
erschienen auf dem Erziehungsmarkt dann auch gleich die konkurrierenden Anbieter,
die Peripatetiker, die Skeptiker, die Stoiker, die Epikuräer. Wir wissen,
daß es nicht die Platoniker waren, die sich auf dem antiken Markt der Persönlichkeitsbildung
durchgesetzt haben, sondern die Stoiker. Im antiken Ideenwettbewerb wurden Trainingsprogramme
für Seelenformen lanciert, die im neuen ökumenisch-imperialen Horizont
verwendbar und belastbar werden sollten. Man darf nicht vergessen, daß die
antike Philosophie ein mentales work-out war, wie Pierre Hadot überzeugend
gezeigt hat. Die logischen Formen dienten in ihr als Übungsgeräte.
Wir erleben heute, daß die soziale Evolution uns wieder eine solche Größerformatierung
abverlangt – eine neue Bemühung um Verkehrsfähigkeit mit allen
möglichen koexistierenden Kräften in einem globalisierten Großraum.
Die Philosophie ist heute ein super-work-out für die kommunikativen
Energien,
die weltweit Anschlüsse finden. Darin steckt schon ein so anspruchsvolles
pragmatisches Programm, daß ich für Idealismus keine Verwendung sehe.(SuT
29f) |
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