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Peter Sloterdijk

Du mußt dein Leben ändern

»Du mußt dein Leben ändern!« Die Stimme, die Rilke im Louvre zu sich sprechen hörte, hat sich inzwischen von ihrem Ursprung gelöst. Binnen eines Jahrhunderts ist sie in den allgemeinen Zeitgeist eingeflossen, ja, sie ist zum letzten Inhalt all der Kommunikationen geworden, die um den Globus schwirren. Es läßt sich nicht leugnen: Die einzige Tatsache von universaler ethischer Bedeutung in der aktuellen Welt ist die allgegenwärtig wachsende Einsicht, daß es so nicht weitergehen kann.

In seiner großen Untersuchung über die Natur des Menschen betreibt Peter Sloterdijk Märchen-Kritik: Als Kritik des Märchens von der Rückkehr der Religionen könnte man seine Thesen verstehen. Dennn nicht die Religion kehrt zurück. Es verschafft sich vielmehr, so belegt Peter Sloterdijk in seiner weit ausgreifenden Studie, etwas ganz Fundamentales in der Gegenwart Raum: der Mensch als Übender, als sich durch Übungen selbst erzeugendes und dabei über sich hinausgehendes Wesen. Rainer Maria Rilke hat den Antrieb zu solchen Exerzitien zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Form gefaßt: »Du mußt dein Leben ändern.«

In seinem Plädoyer für die Ausweitung der Übungszone des Einzelnen wie der Gesellschaft entwirft Peter Sloterdijk eine grundlegende und grundlegend neue Anthropologie. Den Kern seiner Wissenschaft vom Menschen bildet die Einsicht in die Selbstbildung alles Humanen. Die Aktivität der Individuen wie der Kollektive wirkt unablässig auf ihn und sie zurück: die Arbeit auf den Arbeiter, die Kommunikation auf den Kommunizerenden, die Gefühle auf den Fühlenden ...

Es sind die ausdrücklich übenden Menschen, die diese Existenzweise am deutlichsten verkörpern: Bauern, Arbeiter, Krieger, Schreiber, Yogis, Rhetoren, Instrumentalvirtuosen oder Models. Ihre Trainingspläne und Höchstleistungen versammelt dieses Buch zu einer Gesamtschau der Übungen, die erforderlich sind, um Mensch zu sein und zu bleiben.

Das Buch bei Suhrkamp (beachten Sie dort auch die Pressestimmen und die angebotene Leseprobe)